Was ist ein Teppichkäfer?
Ein Teppichkäfer ist ein Käfer der Gattung Anthrenus innerhalb der Familie der Speckkäfer (Dermestidae). Das Umweltbundesamt nennt für Mitteleuropa 48 beschriebene Speckkäferarten. Mit der Bezeichnung Teppichkäfer ist laut Umweltbundesamt typischerweise der Braunwurzelblütenkäfer (Anthrenus scrophulariae) gemeint.
Vier Arten verursachen laut Umweltbundesamt ein ähnliches Schadbild: der Braunwurzelblütenkäfer (Anthrenus scrophulariae), der Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci), der Museumskäfer (Anthrenus museorum) und der eingeschleppte Australische Teppichkäfer (Anthrenocerus australis). Der Wollkrautblütenkäfer heißt auch Kabinettkäfer. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg ordnet den Kabinettkäfer ausdrücklich der Gattung der Teppichkäfer (Anthrenus) zu.
Die Artenzahlen der beiden Behörden weichen voneinander ab. Das LAVES Niedersachsen nennt weltweit circa 880 Arten und ungefähr 67 Arten in Mitteleuropa. Das Umweltbundesamt nennt 48 Arten für Mitteleuropa. Beide Angaben stammen aus Behördenquellen.
Die Artzuordnung entscheidet über das erwartbare Schadbild, die nächsten Merkmale trennen die Arten voneinander.
Welche Merkmale kennzeichnen Teppichkäfer und ihre Larven?
Sechs Merkmale kennzeichnen Teppichkäfer: Körperlänge, Körperform, Querbinden, Färbung der Flügelnaht, Larvenlänge und Pfeilhaare. Alle sechs Merkmale stammen aus Behördenquellen.
- Körperlänge der Käfer: 1,7 bis 4,5 mm laut Umweltbundesamt. Anthrenus scrophulariae erreicht maximal 4,5 mm, Anthrenus verbasci 1,7 bis 3,2 mm, Anthrenus museorum bis 3 mm.
- Körperform: rundlich bis oval laut Umweltbundesamt. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg beschreibt Anthrenus scrophulariae als oval gedrungen und nennt die häufige Verwechslung mit dem Marienkäfer.
- Querbinden: drei helle, wellenförmige Querbinden auf den Flügeldecken laut Umweltbundesamt. Beim Museumskäfer sind diese Querbinden ockergelb.
- Flügelnaht: Anthrenus scrophulariae trägt laut Umweltbundesamt entlang der Flügelnaht einen rötlich gefärbten Bereich. Anthrenus verbasci trägt dort keine rote Färbung.
- Larvenlänge: 5 bis 6 mm bei Anthrenus scrophulariae, 4 bis 5 mm bei Anthrenus verbasci, circa 5 mm bei Anthrenus museorum.
- Pfeilhaare: Haare am Hinterleibsende, die laut Umweltbundesamt wie ein Schweif aussehen. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg beschreibt zwei Büschel bei Anthrenus verbasci und drei Büschel beim Museumskäfer.
Das Teppichkäferweibchen legt laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg durchschnittlich 30 weiße Eier von 1,5 mm Größe. Die Larven schlüpfen nach etwa 15 Tagen und häuten sich bis zu 12-mal. Eine feste Zahl an Larvenstadien nennt keine der geprüften deutschen Behördenquellen. Die Verpuppung erfolgt laut Landesgesundheitsamt zum Großteil im Herbst. Die Käfer schlüpfen innerhalb von 10 bis 19 Tagen, verweilen aber bis zum Frühjahr in der Puppenhaut. Die Lebensdauer der erwachsenen Käfer beträgt laut Landesgesundheitsamt 1 bis 2 Wochen.
Zur Larvenentwicklung nennt die Universitätsquelle Animal Diversity Web abweichende Werte. Die Larvenentwicklung von Anthrenus verbasci dauert laut Hauze (2020) 222 bis 323 Tage bei 15 bis 25 Grad Celsius. Dieselbe Quelle nennt rund 100 Eier je Weibchen und eine Lebensdauer von 20 bis 60 Tagen. Das Landesgesundheitsamt nennt 30 Eier und etwa zwei Wochen. Die Spanne der Quellen ist damit benannt.
Die Merkmale erklären das Aussehen, der nächste Abschnitt erklärt die Herkunft der Tiere im Haus.
Wie gelangen Teppichkäfer in Wohnungen?
Teppichkäfer gelangen laut Umweltbundesamt vor allem durch zufliegende, begattete Weibchen in Wohnungen. Die Weibchen suchen dort Orte für die Eiablage. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nennt den Zeitraum Mai bis Juni für das Eindringen in Gebäude.
Der Eintrag verläuft in vier Schritten:
- Blütenbesuch: Die erwachsenen Käfer leben laut Umweltbundesamt von Blütenpollen und Nektar. Ab Mitte Mai sitzen sie laut Landesgesundheitsamt im Freiland an Blüten, etwa an Weißdorn und Eberesche.
- Zuflug: Begattete Weibchen fliegen in Wohnungen ein. Das Landesgesundheitsamt nennt trockene Sommer als begünstigenden Faktor.
- Eiablage: Die Eiablage erfolgt laut Umweltbundesamt an chitin- und keratinhaltigen Substraten. In Wohnräumen bevorzugen die Weibchen Felle, Pelze, Wollteppiche und Seide.
- Rückzug der Larven: Die Larven sind laut Umweltbundesamt lichtscheu und wandern in ungestörte Bereiche.
Das LAVES Niedersachsen listet 9 typische Fundstellen: hinter Fußleisten, Tierhaarteppiche, Wollkleidung im Kleiderschrank, Katzenkratzbaum, Sofaritzen, Spalten in Dielenböden, Dämmung aus Schafwolle, tote Insekten auf Dachböden sowie Vogel-, Bienen- und Hummelnester. Das Umweltbundesamt ergänzt Bettkästen und den Bereich hinter Teppichleisten. Verlassene Vogel-, Mäuse- und Wespennester am Gebäude sollen laut Landesgesundheitsamt beseitigt werden.
Die Fundstellen zeigen, wo gesucht wird. Der nächste Abschnitt beantwortet, wovon sich die Larven dort ernähren.
Was fressen Teppichkäferlarven?
Teppichkäferlarven fressen keratin- und chitinhaltige Substanzen. Die Nahrung besteht laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg aus trockenen tierischen Produkten aller Art, etwa Tierhaare, Pelze, Seide, Horn, Insektensammlungen und Tierpräparate. Erwachsene Teppichkäfer fressen laut Umweltbundesamt Pollen und Nektar und schädigen kein Material.
Eine verbreitete Angabe im Netz lautet, Teppichkäferlarven fräßen ausschließlich Keratin. Diese Angabe ist unvollständig. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nennt für Anthrenus scrophulariae zusätzlich Schäden in pflanzlichen Getreideprodukten, allerdings seltener. Für Anthrenus verbasci nennt dieselbe Quelle Schäden an Produkten pflanzlicher Herkunft. Das Bundesarchiv nennt für die Familie der Speckkäfer nährstoffreiche pflanzliche und tierische Materialien sowie Pergament und Leder. Vorratsschäden durch weitere Arten beschreibt unser Ratgeber Vorratsschädlinge bekämpfen.
Eine Bedingung bleibt in allen Quellen gleich. Die Larven entwickeln sich laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nie ohne tierische Fasern wie Häute, Haare oder Federn. Angesammelte Menschen- und Tierhaare in Ritzen sind damit die eigentliche Nahrungsgrundlage.
Aus dieser Nahrungswahl folgt ein charakteristisches Schadbild an Textilien.
Welches Schadbild hinterlässt ein Teppichkäferbefall?
Ein Teppichkäferbefall hinterlässt Fraßlöcher in Textilien und Teppichen sowie Einbohrlöcher zur Verpuppung. Der Befall wird laut Umweltbundesamt erst durch diese Fraßlöcher festgestellt. Die Larven bohren sich laut Umweltbundesamt zur Verpuppung in weiche Materialien wie Pelze oder Teppiche aus Tierwolle ein.
Vier Spuren belegen einen aktiven Befall:
- Fraßlöcher in Wolle, Seide, Federn, Leder und Pelz (Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg).
- Einbohrlöcher in weichen Materialien an den Verpuppungsstellen (Umweltbundesamt).
- Käfer an Fenstern: Geschlüpfte Käfer sitzen laut Umweltbundesamt oft an Fenstern, weil sie vom Licht angezogen werden.
- Fraßschäden ab März und April: Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nennt diesen Zeitraum als üblichen Zeitpunkt der Entdeckung.
Ein Mottenschaden sieht ähnlich aus und lässt sich an einem Merkmal trennen. Das Umweltbundesamt schreibt dazu:
„Verwechslungsgefahr besteht mit einem Kleidermottenbefall, allerdings fehlen die dafür typischen weißen Gespinste.“ (Umweltbundesamt, Schädlingsratgeber Teppichkäfer)
Kleidermottenlarven spinnen laut Umweltbundesamt einen röhrenartigen Köcher, in dem sie sich aufhalten und verpuppen. Teppichkäferlarven bauen kein solches Gespinst. Ein Mottenbefall zeigt außerdem Kotbröckchen mit unregelmäßiger Oberfläche. Die Bekämpfung von Motten unterscheidet sich davon, unsere Mottenbekämpfung in Oldenburg setzt eigene Verfahren ein.
Die drei nah verwandten Käferarten und die Kleidermotte trennt die folgende Tabelle nach messbaren Merkmalen.
Wie unterscheiden sich Teppichkäfer, Pelzkäfer, Speckkäfer und Kleidermotte?
Teppichkäfer sind mit 1,7 bis 4,5 mm die kleinsten der vier Arten, Speckkäfer mit 7,0 bis 9,5 mm die größten. Die Larvenlänge trennt zusätzlich: 4 bis 6 mm beim Teppichkäfer, bis 12 mm beim Pelzkäfer, bis 13 mm beim Speckkäfer.
| Merkmal | Teppichkäfer (Anthrenus) | Pelzkäfer (Attagenus) | Speckkäfer (Dermestes lardarius) | Kleidermotte (Tineola bisselliella) |
|---|---|---|---|---|
| Körperlänge erwachsen | 1,7 bis 4,5 mm (UBA) | 2,3 bis 5,5 mm (UBA) | 7,0 bis 9,5 mm (JKI) | Flügelspannweite 12 bis 16 mm (LGA BW) |
| Larvenlänge | 4 bis 6 mm (UBA) | bis 12 mm (UBA) | bis 13 mm (JKI) | 7 bis 9 mm (LGA BW) |
| Körperform erwachsen | rundlich bis oval, drei helle Querbinden (UBA) | länglich oval, weiße Flecken oder einfarbig schwarz (LGA BW) | länglich oval, vordere Deckflügelhälfte gelb-braun mit 6 schwarzen Punkten (JKI) | Falter, strohgelb, lanzettförmige Vorderflügel (LGA BW) |
| Larvenmerkmal | Pfeilhaare am Hinterleibsende (UBA) | Haarbüschel fast so lang wie die Larve (LGA BW) | lange braune Haare, 2 Analdornen (JKI) | Gespinstköcher, braune Kopfkapsel (UBA, LGA BW) |
| Gespinst am Befallsort | keines (UBA) | keine Angabe in den geprüften Quellen | keine Angabe in den geprüften Quellen | weiße Gespinste, Puppenköcher bis 10 mm (UBA, LGA BW) |
| Häutungen bis zur Verpuppung | bis zu 12 (LGA BW) | 7 bis 12 (LGA BW) | 5 Larvalstadien (JKI) | 7 bis 10, Spanne 4 bis 40 (LGA BW) |
| Eier je Weibchen | durchschnittlich 30 (LGA BW) | durchschnittlich 50 (LGA BW) | 100 bis 200 (JKI) | bis zu 220 (LGA BW) |
| Nahrung der Larve | trockene tierische Produkte, Wolle, Seide, Horn, Tierpräparate (LGA BW) | tierische und pflanzliche Trockenstoffe, Felle, Teppiche, Getreideprodukte (LGA BW) | Aas, Rauchfleisch, Felle, Trockenfutter (JKI) | Keratin, kein Zellulosematerial wie Baumwolle oder Jute (LGA BW) |
Quellenkürzel: UBA ist das Umweltbundesamt, JKI das Julius Kühn-Institut, LGA BW das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Die Zuordnung einer Larve zur Art gelingt über die Pfeilhaare. Teppichkäferlarven tragen kurze Büschel am Hinterleibsende. Pelzkäferlarven tragen laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg einen Haarbüschel fast so lang wie die Larve selbst.
Eine strukturierte Befallsdiagnose beschreibt unser Ratgeber Schädlingsbefall erkennen.
Die Artbestimmung entscheidet auch über die gesundheitliche Einordnung, weil nur Anthrenus-Larven Pfeilhaare abwerfen.
Wie gefährlich sind die Pfeilhaare der Teppichkäferlarven?
Die Pfeilhaare verursachen juckende Quaddeln und allergische Reaktionen der Haut und der Atemwege. Das Umweltbundesamt beschreibt die Wirkung wörtlich:
„Durch die Pfeilhaare der Larven kann es zu allergischen Reaktionen der Haut und der Atemwege kommen. Bohren sich die Haare in die Haut, entstehen juckende Quaddeln, ähnlich Mückenstichen.“ (Umweltbundesamt, Schädlingsratgeber Teppichkäfer)
Das LAVES Niedersachsen ordnet die Stärke ein. Die Pfeilhaare lösen laut LAVES bei Menschen und Haustieren schwache bis mittelschwere allergische Reaktionen aus. Die Reaktionen äußern sich laut LAVES in juckender Haut, juckenden Augen, Niesen oder Husten. Die Larven werfen die Pfeilhaare laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg bei Beunruhigung ab.
Eine verbreitete Deutung im Netz ist dagegen nicht belegt. Keine der geprüften Behördenquellen beschreibt Bisse oder Stiche durch Teppichkäfer oder deren Larven. Geprüft wurden Umweltbundesamt, LAVES Niedersachsen, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Julius Kühn-Institut, Bundesarchiv und Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband. Krankheiten überträgt der Teppichkäfer laut den geprüften Quellen nicht.
Die Pfeilhaare sind der Grund für Atemschutz beim Absaugen stark befallener Bereiche. Vor jeder Maßnahme steht jedoch der Nachweis des Befalls.
Wie weisen Sie einen Teppichkäferbefall nach?
Der Nachweis erfolgt über Sichtkontrolle der Fundstellen und Klebefallen an Wandkanten. Klebefallen zeigen laut Bundesarchiv nur die Lage, sie senken den Befall nicht. Für Anthrenus verbasci ist zusätzlich ein Sexualpheromon belegt.
- Fundstellen absuchen: Fußleisten, Teppichränder, Dielenritzen, Bettkästen und Schrankrückwände kontrollieren. Diese Orte nennen Umweltbundesamt und LAVES Niedersachsen.
- Klebefallen setzen: Das Bundesarchiv setzt Klebefallen an Kanten und Ecken der Wände, weil viele Schadinsekten dort entlanglaufen.
- Fallen auswerten: Das Bundesarchiv kontrolliert die Fallen alle 3 bis 6 Monate.
- Pheromonfalle einsetzen: Gilberg (1995) beschreibt einen Lockstoff aus (Z)-5- und (E)-5-Undecensäure, dem Sexualpheromon des weiblichen Wollkrautblütenkäfers.
- Art bestimmen lassen: Das Umweltbundesamt empfiehlt bei großflächigem Befall eine Fachfirma, um zunächst die genaue Art zu bestimmen.
Das Bundesarchiv schreibt zur Aussagekraft der Fallen:
„Insekten-Klebefallen verhindern oder verringern Schädlingsbefall nicht, sondern zeigen lediglich die Schädlingssituation in den überwachten Räumen an.“ (Bundesarchiv, Prävention und Behandlung von Schädlingsbefall in Archiven)
Pheromonfallen fangen ausschließlich Männchen. In Gilbergs Versuch von 1995 fingen 2 beköderte Fallen in einem 20 m² großen Raum 11 männliche Käfer, die unbeköderten Fallen keinen einzigen. In einem zweiten Raum von 125 m² mit 10 beköderten Fallen ging kein Käfer in die Falle. Ein dauerhaftes Monitoring für Museen, Archive und Betriebe organisieren wir über unser Schädlingsmonitoring für Unternehmen.
Nach dem Nachweis folgt die Auswahl des Verfahrens.
Welche Verfahren bekämpfen Teppichkäfer?
Fünf Verfahren sind mit Kennwerten belegt: Absaugen, Waschen bei 60 Grad Celsius, Einfrieren, Wärmebehandlung und Sauerstoffentzug. Die Wahl richtet sich nach dem Material.
| Kriterium | Absaugen und Reinigen | Waschen | Einfrieren | Wärmebehandlung | Anoxische Behandlung |
|---|---|---|---|---|---|
| Wirkprinzip | Entfernen von Haaren, Larven und Häutungsresten | Hitze und Waschlauge | Kälte | Hitze | Sauerstoffentzug |
| Belegte Kennwerte | Ritzen aussaugen, Staubsaugerbeutel nach jedem Gebrauch ins Gefrierfach | 60 Grad Celsius | −18 °C für 2 bis 3 Wochen; −20 °C für mindestens 14 Tage oder −40 °C für etwa 7 Tage; −30 °C für 6 Tage | 45 bis 58 °C; mindestens 55 °C für 1 Stunde an jeder Stelle, bewährt 58 °C im 24-Stunden-Zyklus | 45 bis 55 % rF und 20 bis 25 Grad Celsius, mindestens drei Wochen |
| Geeignet für | Fußleisten, Dielenritzen, Teppichränder, Polster | waschbare Wolltextilien | empfindliche Textilien, Pelze, Tierpräparate, Sammlungsgut | Möbel, Bücher, Textilien im Behandlungsraum | Archiv- und Sammlungsgut |
| Grenzen | entfernt Nahrung und Tiere, ersetzt keine Abtötung | nicht für Seide, Pelz und Tierpräparate | Risiko für Kautschuk, Leinölanstriche und synthetische Polymere bei −30 °C | Feuchte muss auf 45 bis 55 % rF geregelt werden | gasdichte Einhausung nötig, mindestens drei Wochen Dauer |
| Quelle | LAVES Niedersachsen | LAVES Niedersachsen, Umweltbundesamt | Umweltbundesamt, museumsschaedlinge.de, Bundesarchiv | museumsschaedlinge.de, Bundesarchiv | Bundesarchiv |
Museen und Archive arbeiten nach der Norm DIN EN 16790:2016 zur integrierten Schädlingsbekämpfung im kulturellen Erbe. Das Bundesarchiv nennt den Sauerstoffentzug die materialschonendste Methode und empfiehlt sie. Befallene Objekte kommen laut Bundesarchiv umgehend in Quarantäne. Die Larven von Anthrenus verbasci gehören laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg zu den wichtigsten Textilschädlingen und schädigen Insektensammlungen sowie Vogel- und Säugerbälge.
Für Biozidprodukte gilt eine Zulassungspflicht. Grundlage ist laut Umweltbundesamt die Verordnung (EU) Nr. 528/2012, das Verfahren läuft zweistufig über Wirkstoffgenehmigung und Produktzulassung. Insektizide der Produktart 18 unterliegen nach § 10 Absatz 1 ChemBiozidDV dem Verbot der Selbstbedienung. Die Abgabe erfolgt nach § 11 Absatz 1 ChemBiozidDV nur durch eine sachkundige Person. Das Abgabegespräch muss nach § 11 Absatz 2 ChemBiozidDV über präventive Maßnahmen und Alternativen mit geringem Risiko aufklären. Das Umweltbundesamt empfiehlt, auf Biozide soweit möglich zu verzichten. Eine Punktbehandlung mit insektizidhaltigem Spray setzt laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg eine gründliche Reinigung voraus.
In Oldenburg, Wilhelmshaven und Bremen beginnen wir jeden Teppichkäferauftrag mit der Artbestimmung, weil Anthrenus, Attagenus und Dermestes unterschiedliche Befallsherde haben. Anschließend suchen wir die Wandkanten, Dielenritzen und Teppichränder ab und setzen Klebefallen. Wolltextilien behandeln wir über Temperatur, empfindliche Stücke und Tierpräparate über Kälte.
Häufig gestellte Fragen
Sind Teppichkäfer gefährlich für Menschen?
Teppichkäfer übertragen laut den geprüften Behördenquellen keine Krankheiten. Die Pfeilhaare der Larven verursachen laut Umweltbundesamt juckende Quaddeln sowie allergische Reaktionen der Haut und der Atemwege. Das LAVES Niedersachsen stuft diese Reaktionen als schwach bis mittelschwer ein.
Beißen Teppichkäfer oder ihre Larven?
Keine der geprüften Behördenquellen beschreibt Bisse oder Stiche. Das Umweltbundesamt führt die Hautreaktion ausschließlich auf Pfeilhaare zurück, die sich in die Haut bohren. Geprüft wurden Umweltbundesamt, LAVES Niedersachsen, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Julius Kühn-Institut und Bundesarchiv.
Wie lange lebt ein Teppichkäfer?
Die erwachsenen Käfer leben laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg 1 bis 2 Wochen. Die Universitätsquelle Animal Diversity Web nennt für Anthrenus verbasci 20 bis 60 Tage. Die Larvenentwicklung dauert laut derselben Quelle 222 bis 323 Tage bei 15 bis 25 Grad Celsius.
Fressen Teppichkäferlarven auch Baumwolle?
Die geprüften Quellen nennen für Teppichkäferlarven trockene tierische Produkte als Hauptnahrung. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nennt zusätzlich seltenere Schäden in pflanzlichen Getreideprodukten. Eine Angabe zu reiner Baumwolle enthält keine der geprüften Quellen, deshalb gilt: keine Angabe in den geprüften Quellen.
Helfen Lavendel oder Zedernholz gegen Teppichkäfer?
Das Umweltbundesamt nennt Lavendel, Nelken und Zedernholz als ergänzende Mittel gegen Kleidermotten. Eine hundertprozentige Abschreckung schließt das Umweltbundesamt dort aus. Für Teppichkäfer nennt keine der geprüften Behördenquellen eine Wirksamkeit dieser Duftstoffe.
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Offizielle Quellen
- Umweltbundesamt, Schädlingsratgeber Teppichkäfer (zuletzt aktualisiert 07.09.2026)
- LAVES Niedersachsen, Teppichkäfer und andere Speckkäfer
- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Materialschädlinge (März 2009, PDF)
- Bundesarchiv, Prävention und Behandlung von Schädlingsbefall in Archiven (PDF)
- Julius Kühn-Institut, Steckbrief Dermestes lardarius (PDF)
- Gilberg, M. (1995), Monitoring Anthrenus verbasci in museum collections, WAAC Newsletter 17 (2)

