Was sind Erdwespen? Definition, Aussehen und Unterschied zur Wespe
Erdwespen sind keine eigene Art, sondern ein Sammelbegriff für Wespenarten, die ihre Nester unterirdisch anlegen – darunter vor allem die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Beide gehören zur Familie der Faltenwespen und sind in Deutschland weit verbreitet. Optisch ähneln sie der bekannten „Papierwespe": schwarz-gelb gestreifter Hinterleib, etwa 10 bis 15 Millimeter lang, mit einer charakteristischen schlanken Wespentaille.
Im Gegensatz zu Hornissen, die oberirdisch in Baumhöhlen oder Dachböden nisten, bevorzugen Erdwespen verlassene Mäuse- oder Maulwurfsgänge sowie lockere Erdschichten im Rasen oder unter Terrassenplatten. Genau dort legen sie ihre papierartigen Waben aus zerkautem Holzfasermaterial an – oft unbemerkt, bis der Eingang zufällig beim Rasenmähen oder Gärtnern entdeckt wird. Als nützliche Insekten regulieren Erdwespen Schädlingspopulationen und bestäuben Pflanzen. Ihr schlechter Ruf entsteht vor allem durch die aggressivere Verteidigung des Nests im Hochsommer, wenn die Kolonie ihre maximale Größe erreicht hat.
Sofort-Entscheidung: Handeln oder abwarten?
Die erste Frage bei einem entdeckten Erdwespennest lautet: Besteht tatsächlich akute Gefahr? Erdwespen sind weniger aggressiv als ihr Ruf vermuten lässt. Sie greifen normalerweise nicht aktiv an. Allerdings verteidigen sie ihr Nest vehement bei Störungen.
Prüfen Sie zunächst diese vier Kriterien: Liegt das Nest direkt am Spielbereich der Kinder? Wird es täglich von vielen Menschen passiert? Leben Allergiker im Haushalt? Befindet sich das Nest direkt unter der Terrasse oder dem Balkon? Falls Sie mindestens zwei dieser Fragen mit Ja beantworten, sollten Sie handeln. Bei nur einem Ja-Kriterium hängt die Entscheidung vom Zeitpunkt ab.
In unserer Praxis begegnen uns häufig Gartenbesitzer, die bei Nestentdeckung im September unnötig einen Kammerjäger rufen – dabei stirbt die Kolonie ohnehin in vier bis sechs Wochen ab. Umgekehrt unterschätzen Familien mit Kleinkindern im Juli die Gefahr bei Nestern direkt an Spielbereichen. Der Entdeckungszeitpunkt ist zentral: Im April bis Juni besteht das Nest noch viele Monate. Ab August lohnt sich Abwarten oft mehr als teure Umsiedlung.
Wie lange besteht ein Erdwespennest? Der natürliche Jahreszyklus
Erdwespennester sind temporär und existieren nur eine Saison. Im April beginnt eine überwinterte Königin in einem verlassenen Mäuseloch oder einer geschützten Nische im Rasen ihr Nest anzulegen. Sie baut zunächst einige Waben und zieht die ersten Arbeiterinnen auf. Diese übernehmen ab Mai den weiteren Ausbau. Die Kolonie wächst bis Juli auf 5.000 bis 10.000 Tiere an.
Der Höhepunkt der Aktivität liegt im Juli und August. Genau dann, wenn Sie auf der Terrasse gern essen möchten. Ab September produziert die Königin neue Königinnen und männliche Wespen. Diese paaren sich, die befruchteten Jungköniginnen verlassen das Nest und suchen Winterquartiere. Die alte Königin, alle Arbeiterinnen und Drohnen sterben spätestens im November bei den ersten Frösten ab.
Das verlassene Nest wird niemals im Folgejahr wiedergenutzt. Die überwinterten Jungköniginnen bevorzugen neue Standorte für ihre eigenen Kolonien. Diese Erkenntnis ist zentral: Geduld löst das Problem zuverlässig, ohne Kosten und ohne rechtliche Risiken. Weitere Informationen zum saisonalen Zyklus der Erdwespen finden Sie bei Fachportalen.
Rechtslage: Was dürfen Sie selbst tun – und was nicht?
Alle Wespenarten, einschließlich der im Boden nistenden, stehen unter allgemeinem Naturschutz nach § 39 Absatz 1 Nummer 1 des Bundesnaturschutzgesetzes. Es ist verboten, sie mutwillig zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Für die Entfernung oder Umsiedlung eines Nests benötigen Sie grundsätzlich eine Genehmigung der Naturschutzbehörde.
Diese wird nur bei triftigem Grund erteilt – beispielsweise wenn Allergiker im Haushalt leben oder das Nest direkt an einer unvermeidbaren Durchgangsstelle liegt. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 50.000 Euro, besonders bei geschützten Arten. Auch Gemeine und Deutsche Wespen fallen unter den allgemeinen Schutz.
Was dürfen Sie ohne Genehmigung tun? Erlaubt sind schonende Vergrämungsmaßnahmen, die das Nest nicht beschädigen: Duftbarrieren aufstellen, Ablenkfütterung in sicherer Distanz anbieten, mechanische Barrieren errichten. Verboten ist hingegen: Nest ausräuchern, mit Wasser fluten, zuschütten, mit Insektiziden bekämpfen oder mechanisch zerstören. Das Bundesnaturschutzgesetz zu Wespen und konkrete Bußgelder bei Wespenbekämpfung sind online einsehbar.
Erlaubte Hausmittel: Schonende Vergrämung ohne Genehmigung
Falls Sie Erdwespen vom Wohnbereich fernhalten möchten, ohne das Nest zu zerstören, stehen Ihnen mehrere natürliche Hausmittel zur Verfügung. Diese Methoden reduzieren die Wespenaktivität in Ihrem unmittelbaren Aufenthaltsbereich, ohne die geschützte Kolonie zu schädigen. Beachten Sie: Hausmittel wirken nicht sofort und benötigen einige Tage Anlaufzeit.
Duftbarrieren: Kräuter und ätherische Öle
Erdwespen reagieren empfindlich auf bestimmte Duftstoffe, die Sie strategisch einsetzen können. Stellen Sie Töpfe mit stark duftenden Kräutern wie Basilikum, Lavendel, Zitronenmelisse oder Pfefferminze im Abstand von ein bis zwei Metern rund um Terrasse oder Balkon auf. Die ätherischen Öle dieser Pflanzen wirken auf Wespen abstoßend, ohne sie zu gefährden.
Ein typisches Beispiel aus unserer Beratungspraxis: Basilikum in Töpfen um die Terrasse platziert reduziert die Wespenaktivität binnen einer Woche um etwa 40 Prozent. Virale TikTok-Hacks mit Kupfermünzen zeigten in unseren Tests hingegen keinerlei Wirkung. Alternativ können Sie Duftlampen mit Nelken-, Zitronen- oder Teebaumöl verwenden. Besprühen Sie niemals das Nest selbst – das gilt als Störung und ist rechtlich problematisch.
Ablenkfütterung: Überreife Früchte strategisch platzieren
Wespen suchen gezielt nach zuckerhaltiger Nahrung, besonders im Spätsommer. Nutzen Sie diesen Instinkt: Richten Sie eine Futterstelle in mindestens zehn Metern Entfernung von Ihrer Terrasse ein. Legen Sie dort täglich überreife Weintrauben, Zwetschgen oder Apfelstücke aus. Die Wespen konzentrieren sich auf diese leicht verfügbare Nahrungsquelle und meiden dafür Ihren Essbereich.
Wichtig: Stellen Sie niemals süße Fallen mit Spülmittel oder Essig auf – das tötet die Tiere qualvoll und verstößt gegen den Naturschutz. Ablenkfütterung funktioniert nur konsequent über mehrere Wochen, damit die Wespen das neue Futterangebot in ihr Sammelverhalten aufnehmen. Weitere Tipps zur sanften Erdwespen-Vergrämung und zum generellen Thema Wespen schonend vertreiben finden Sie in spezialisierten Ratgebern.
Professionelle Umsiedlung: Wann lohnt sich der Kammerjäger?
Ein professioneller Schädlingsbekämpfer ist die richtige Wahl, wenn akute Gefahr besteht und Hausmittel nicht ausreichen. Zertifizierte Betriebe verfügen über die behördliche Genehmigung zur Nestumsiedlung und das nötige Equipment. Sie können Erdwespennester, die bis zu 30 Zentimeter tief sein und mehrere Brutkammern umfassen, vollständig ausgraben und an einen geeigneten Standort umsetzen.
Die professionelle Wespennest-Entfernung lohnt sich besonders in diesen Situationen: Nest direkt unter genutztem Rasen oder Spielbereich, bekannte Wespenallergie im Haushalt, Nest an technisch kritischen Stellen wie Kellerschächten, oder wiederholte Stichereignisse trotz Vorsichtsmaßnahmen. Der Kosten-Nutzen-Vergleich fällt vom Zeitpunkt ab: Zwischen Mai und Juli rechtfertigt die noch lange verbleibende Saison den Aufwand. Ab Ende August ist Abwarten oft wirtschaftlicher, da die Kolonie ohnehin bald abstirbt.
In deinem Fall solltest du abwägen: Hast du noch viel Zeit im Garten vor dir, oder endet die Gartensaison bald? Falls du unsicher bist, kannst du dich natürlich ebenfalls beraten lassen. Informationen zu den Kosten der Schädlingsbekämpfung helfen bei der Entscheidung. Achten Sie darauf, dass der Betrieb über die nötige behördliche Genehmigung verfügt und eine Umsiedlung statt Vernichtung anbietet.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange besteht ein Erdwespennest?
Ein Erdwespennest besteht nur eine Saison von April bis November. Die Königin gründet das Nest im Frühjahr, der Höchststand liegt im Juli und August mit bis zu 10.000 Tieren. Ab Oktober stirbt die Kolonie komplett ab. Nur begattete Jungköniginnen überwintern an geschützten Orten und bauen im nächsten Jahr ein neues Nest an völlig anderer Stelle. Das alte Nest wird niemals wiederverwendet und zerfällt über den Winter. Abwarten ist daher besonders ab September eine realistische und kostenfreie Lösung.
Was tötet Erdwespen sofort?
Erdwespen sofort zu töten ist nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz verboten und kann mit Bußgeldern bis 50.000 Euro geahndet werden. Ausnahme besteht nur bei akuter Lebensgefahr für Allergiker nach behördlicher Genehmigung. Legale Alternativen sind professionelle Umsiedlung durch zertifizierte Schädlingsbekämpfer oder Abwarten bis November, wenn die Kolonie natürlich abstirbt. Selbst vermeintlich harmlose Hausmittel wie Wasser oder Rauch sind rechtlich problematisch, falls sie das Nest beschädigen oder die Tiere töten. Setzen Sie stattdessen auf schonende Vergrämungsmethoden mit Duftstoffen.
Welches Tier zerstört Erdwespennester?
Dachse und Mäusebussarde sind natürliche Feinde von Erdwespen und graben gezielt Nester aus, um an proteinreiche Larven zu gelangen. Auch Spitzmäuse und Igel können kleinere Nester zerstören. Diese biologische Kontrolle funktioniert jedoch nur in naturnahen Gärten und ist nicht planbar. Für akute Probleme ist sie keine zuverlässige Lösung. Versuchen Sie niemals, solche Tiere gezielt anzulocken, denn Sie können weder den Zeitpunkt noch den Erfolg beeinflussen. Bei echtem Handlungsbedarf ist professionelle Umsiedlung die einzige kontrollierbare Option.

