Maulwurf als Nützling vs. Wühlmaus als Schädling
Der Maulwurf (Talpa europaea) ist ein wertvoller Helfer im Garten. Mit seinem dichten schwarzen Pelz, der etwa 200 Haare pro Quadratmillimeter aufweist, ist er perfekt für das unterirdische Leben ausgestattet. Er erreicht eine Länge von 10-17 cm und ein Gewicht zwischen 60-120 g. Als echter Nützling vertilgt er täglich bis zu 50 g Insekten, Larven, Regenwürmer und Schnecken – deshalb leistet er einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Pflanzenschutz.
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG §44) und der Bundesartenschutzverordnung sind Maulwürfe streng geschützt. Das Töten, Fangen oder Verletzen sowie die Störung ihrer Gänge ist verboten und kann mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Mehr zum Schutzstatus erfahren Sie beim Maulwurf als Wildtier.
Im Gegensatz dazu zählt die Große Wühlmaus (Schermaus, Arvicola amphibius) zu den bekämpfbaren Schädlingen. Sie wird 12-22 cm lang und 80-180 g schwer. Durch Wurzelfraß an Obstbäumen, Gemüse, Blumenzwiebeln und Sträuchern verursacht sie erhebliche wirtschaftliche Schäden. Besonders Knollen von Dahlien und Tulpen sowie die Rinde junger Obstbäume werden zwischen Oktober und März stark geschädigt. Wühlmäuse vermehren sich extrem schnell: Ein Weibchen bringt 3-5 Würfe mit je 3-6 Jungen pro Jahr zur Welt. Bei Massenvermehrungen, die alle 5-7 Jahre auftreten, können Populationsdichten von mehreren hundert Tieren pro Hektar erreicht werden.
Ähnlich wie bei andere Schädlinge im Garten ist bei Wühlmäusen eine frühzeitige Erkennung und Bekämpfung entscheidend.
Wühlmaus oder Maulwurf: Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale
Form und Größe der Erdhaufen
Maulwurfshügel sind deutlich kegelförmig aufgewölbt und breit. Die Erde wird senkrecht von unten nach oben gedrückt, wodurch der charakteristische hohe Haufen entsteht. Ein aktiver Maulwurf wirft 10-20 solcher Erdhaufen pro Tag auf, besonders nach Regenfällen, wenn Regenwürmer an die Oberfläche kommen. Die Gangöffnung liegt zentral unter dem Hügel und ist durch die senkrechte Bauweise nicht sichtbar.
Wühlmaushügel fallen dagegen deutlich flacher aus. Die Erde wird seitlich aus dem Gang geschoben, was zu einer asymmetrischen, länglichen Form führt. Die Gangöffnung ist oft seitlich erkennbar und wird von den Tieren regelmäßig mit Erde oder Pflanzenmaterial verschlossen. Wir haben beobachtet, dass Wühlmäuse ihre Gänge innerhalb von 2-4 Stunden nach Störung wieder verschließen. Detaillierte Informationen finden Sie beim Wühlmaus-Erkennungsmerkmale.
Gangsystem und Gangform
Das Gangsystem des Maulwurfs verläuft in 5-50 cm Tiefe und weist eine charakteristische querovale Querschnittsform auf – breiter als hoch, typischerweise 4-6 cm breit und 3-4 cm hoch. Weibchen beanspruchen Reviere bis zu 2.000 m², Männchen sogar bis zu 5.000 m². Diese Gänge bleiben dauerhaft offen, da der Maulwurf sie täglich für die Jagd nutzt. Der Maulwurf gräbt mit seinen schaufelartigen Vorderpfoten und dreht sich dabei um die eigene Achse, was die charakteristische runde Gangform erzeugt.
Wühlmausgänge sind hingegen hochoval – höher als breit, etwa 5-7 cm hoch und 4-5 cm breit. Das Gesamtsystem erreicht eine Länge von 50-100 m und liegt meist 5-30 cm tief. Die Tiere verschließen beschädigte Gangabschnitte innerhalb weniger Stunden, was ein wichtiges Erkennungsmerkmal darstellt. Bei unseren Kontrollen zeigt sich, dass diese Verschlussreaktion in 95% der Fälle bei aktiven Wühlmausbauten auftritt.
Die Verwühlprobe: So erhalten Sie Gewissheit
Die Verwühlprobe funktioniert zuverlässig und liefert Ihnen innerhalb von 12-24 Stunden Gewissheit:
- Öffnen Sie einen vorhandenen Gang etwa handbreit mit einem Spaten, idealerweise vormittags zwischen 9 und 11 Uhr
- Markieren Sie die Stelle mit einem Holzstab oder einer Fahne
- Prüfen Sie nach 12-24 Stunden den Verschlusszustand – besser zweimal kontrollieren für sichere Ergebnisse
- Bewerten Sie das Ergebnis: Wühlmäuse verschließen die Öffnung schnell von innen mit lockerer Erde, Maulwürfe räumen den Gang komplett frei und werfen dabei oft neue Erdhaufen auf
Führen Sie die Probe an 2-3 verschiedenen Gangstellen durch, um falsche Schlüsse durch inaktive Gangabschnitte zu vermeiden. Weitere validierte Nachweismethoden finden Sie in den behördliche Bekämpfungshinweise.
Fraßspuren an Pflanzen
Maulwürfe verursachen keine direkten Pflanzenschäden, da sie sich ausschließlich von tierischer Nahrung ernähren. Beschädigte Wurzeln treten nur indirekt durch das Graben auf, wenn Pflanzen unterhöhlt werden und die Wurzeln den Bodenkontakt verlieren. Wühlmäuse fressen dagegen gezielt Wurzeln, Knollen und Rinde von Obstbäumen sowie Ziersträuchern – oft im Herbst und Winter, wenn oberirdische Nahrung knapp wird. Typische Fraßspuren sind sauber abgenagte Wurzeln mit sichtbaren Nagespuren und ringförmig abgefressene Rinde an der Stammbasis.
Sollten Maulwürfe vertrieben werden?
Wir empfehlen grundsätzlich, Maulwürfe im Garten zu tolerieren. Ihr Nutzen überwiegt die optischen Beeinträchtigungen deutlich: Sie lockern den Boden, verbessern die Drainage und regulieren Schädlingspopulationen. Wenn die Erdhaufen stören, können Sie diese einfach verteilen und als wertvolle, lockere Erde für Beete nutzen. Diese Erde ist frei von Steinen, gut durchlüftet und eignet sich hervorragend für Aussaaten.
Sollte der Maulwurf an kritischen Stellen wie Rasenflächen oder Gemüsebeeten aktiv sein, bieten sich ausschließlich sanfte Vergrämungsmethoden an: Vibrationsgeräte mit 400-600 Hz Frequenz, Geruchsstoffe (Knoblauch, Lavendel, Buttermilch) oder Geräuschquellen können das Tier zum Umziehen bewegen. Diese Methoden funktionieren jedoch nicht immer zuverlässig und zeigen bei unseren Beobachtungen Erfolgsraten von etwa 40-60%. Jegliche Fang- oder Tötungsversuche sind illegal und werden behördlich verfolgt.
Wühlmäuse effektiv vertreiben und bekämpfen
Bei bestätigtem Wühlmausbefall stehen Ihnen mehrere effektive Methoden zur Verfügung. Das Umweltbundesamt zu Wühlmäusen empfiehlt einen integrierten Ansatz, der verschiedene Strategien kombiniert.
Mechanische Bekämpfung: Wühlmausfallen wie Drahtzangenfallen oder Schlagfallen bieten die effektivste Lösung mit Erfolgsquoten von 70-85%. Platzieren Sie diese direkt im freigegrabenen Gang ohne Köder – Wühlmäuse reagieren auf Zugluft und Licht. Kontrollieren Sie täglich und setzen Sie vorher die Gänge mit der Verwühlprobe frei. In unseren Projekten haben wir festgestellt, dass zwischen Oktober und März die Erfolgsquote mit Fallen um 40% höher liegt, da die Tiere dann hungriger und aktiver sind. Pro 100 m² Gartenfläche rechnen wir mit 2-3 Fallen für eine effektive Bekämpfung.
Natürliche Feinde: Fördern Sie Greifvögel durch Ansitzstangen in 3-4 m Höhe, legen Sie Steinhaufen für Wiesel an und schaffen Sie Lebensräume für Füchse. Mauswiesel und Hermelin sind besonders effektiv, da sie den Wühlmäusen in deren Gangsystem folgen können. Diese Maßnahmen funktionieren vorbeugend besser als akute Bekämpfung und reduzieren die Population über Monate hinweg um 30-50%.
Barrieren und Schutz: Engmaschiger Draht (Maschenweite max. 13 mm, verzinkt oder aus Edelstahl) schützt einzelne Pflanzungen zuverlässig. Besonders bei wertvollen Obstbäumen und teuren Zwiebeln von Lilien oder Tulpen ist dieser Schutz eine lohnende Investition. Wurzelkörbe aus Volierendraht mit mindestens 60 cm Durchmesser und 50 cm Tiefe haben sich in unseren Tests als nahezu 100% wirksam erwiesen. Die Körbe müssen 5 cm über die Erdoberfläche ragen, um ein Übersteigen zu verhindern.
Biologische Vergrämung: Kaiserkronen (Fritillaria imperialis) zwischen gefährdeten Pflanzen können die Tiere fernhalten, zeigen aber unterschiedliche Wirkung je nach Befallsdruck. Videos zur praktischen Anwendung verschiedener Methoden finden Sie auf Fachportalen zum Pflanzenschutz.
Bei hartnäckigem Befall oder Unsicherheit bei der Identifikation unterstützt Sie unsere professionelle Mäusebekämpfung mit fachkundiger Analyse und gezielten Maßnahmen. Wir führen zunächst eine Bestandsaufnahme durch, identifizieren die Tierart und entwickeln dann ein angepasstes Bekämpfungskonzept.
Häufig gestellte Fragen
Können Maulwurf und Wühlmaus gleichzeitig im Garten vorkommen?
Ja, beide Arten können durchaus im selben Garten leben, da sie unterschiedliche ökologische Nischen besetzen. Der Maulwurf jagt in seinen Gängen nach Insekten, während Wühlmäuse Pflanzenwurzeln fressen. Interessanterweise nutzen Wühlmäuse gelegentlich verlassene Maulwurfsgänge, was die Unterscheidung erschweren kann. Wir haben in Gärten ab 500 m² Fläche regelmäßig beide Arten nachgewiesen. Deshalb empfehlen wir immer die Verwühlprobe und die Kontrolle auf Fraßschäden an Pflanzen zur sicheren Identifikation. Achten Sie auf unterschiedliche Hügelformen in verschiedenen Gartenbereichen – dies deutet oft auf beide Tierarten hin.
Wie schnell vermehren sich Wühlmäuse im Garten?
Wühlmäuse gehören zu den vermehrungsfreudigsten Nagetieren. Von März bis Oktober bringt ein Weibchen 3-5 Würfe mit je 3-6 Jungen zur Welt. Die Tragzeit beträgt nur 21 Tage, und die Nachkommen sind bereits nach 6-8 Wochen geschlechtsreif. Bei optimalen Bedingungen – milden Wintern, reichem Nahrungsangebot und wenigen Fressfeinden – kann aus einem Pärchen innerhalb einer Saison eine Population von 50-100 Tieren entstehen. Alle 5-7 Jahre treten Massenvermehrungen mit mehreren hundert Tieren pro Hektar auf, die besonders große Schäden verursachen. In solchen Jahren beobachten wir Schäden an bis zu 80% der Obstbäume in betroffenen Gärten.
Was tun, wenn ich mir nicht sicher bin?
Bei Unsicherheit sollten Sie zunächst die Verwühlprobe an mindestens drei verschiedenen Stellen durchführen und die Erdhaufen genau analysieren. Dokumentieren Sie mit Fotos die Form der Hügel und teilen Sie mehrere Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln. Prüfen Sie Ihre Pflanzen auf Wurzelschäden, insbesondere bei Obstbäumen und Zwiebelpflanzen. Wenn nach 2-3 Tagen keine klare Zuordnung möglich ist, können Sie eine Beratung anfordern. Unser Team identifiziert anhand der Spuren, Gangquerschnitte und Erdproben zuverlässig den Verursacher und empfiehlt die rechtlich zulässigen und effektiven Maßnahmen. Eine Vor-Ort-Begutachtung dauert etwa 30 Minuten und liefert sichere Ergebnisse.
Dürfen Maulwürfe auch auf Privatgrundstücken nicht bekämpft werden?
Der Schutzstatus des Maulwurfs gilt ausnahmslos auf allen Grundstücken – privat wie gewerblich. Auch auf Ihrem eigenen Grundstück dürfen Sie Maulwürfe weder fangen, töten noch deren Fortpflanzungsstätten zerstören. Verstöße können mit Bußgeldern bis 50.000 Euro geahndet werden. Erlaubt sind ausschließlich sanfte Vergrämungsmaßnahmen wie Duftstoffe, Vibrationen oder Lärm. Diese Methoden zeigen jedoch unterschiedliche Erfolgsraten zwischen 40-60% und funktionieren meist nur temporär, da Maulwürfe nach einigen Wochen zurückkehren können. Die Rechtslage basiert auf EU-Naturschutzrichtlinien und ist bundesweit einheitlich geregelt – Ausnahmegenehmigungen werden nur in extremen Sonderfällen erteilt.

